Die Insolvenzen in Deutschland nehmen jährlich zu. Einige überleben nicht einmal das erste Jahr, weil ihnen die materielle Grundlage fehlt, um die Anlaufzeit durchzustehen. Das belegt, dass die Gründung eines Unternehmens gut geplant sein will. Engagierte und erfahrene Berater sind gefragt, die dem Gründer unter die Arme greifen.
Gründungsberatung und anschließende Folgeberatung gehören zu den Aufgaben des Steuerberaters“, konstatiert Joachim Zill, Steuerberater und Gründercoach aus Köln. Bereits weit vor der Gründung unterstützt er durch eine Prüfung des Geschäftskonzepts, insbesondere in finanzieller und steuerlicher Hinsicht. Er hilft, zum Beispiel bei der Berechnung von erforderlichem Eigenkapital, durchschnittlichem Umsatz und Kosten anhand von Branchenvergleichszahlen und bei der Finanz-, Umsatz- und Personalplanung. Außerdem berät er bei der Wahl von Rechtsform, Gestaltungsmöglichkeiten und nicht zuletzt Fördermöglichkeiten.
Gründerseminare besuchen
Das nutzte auch Ralf Freund aus Köln. Verschiedenste Anforderungen miteinander zu verbinden und Arbeitsplätze zu vernetzen, ist für Freund eine alltägliche Angelegenheit. Denn der IT-Spezialist hat sein Hobby zum Beruf gemacht, nachdem er seine ursprüngliche Tätigkeit aus Gesundheitsgründen aufgeben musste. So wurde aus dem Elektrotechniker durch Umschulung zum IT-System-Elektroniker ein Spezialist für Computer- und Kommunikationssysteme. Aber bis zur Selbstständigkeit war es noch ein weiter Weg, den der Kölner Techniker auch nur mit Zögern beschritten hat: „Ich hatte einige schlaflose Nächte und es hat bestimmt ein halbes Jahr gedauert bis alles klar war“, bemerkt Ralf Freund zu seiner Findungsphase, „aber ich hatte letztlich keine echte andere Chance.“. Und nachdem er wieder arbeitslos geworden war und alle angebotenen Stellen nicht seiner Qualifikation entsprachen, meldet er sich zu einem Gründerseminar bei Joachim Zill an. Nach vielen Recherchen und Abstimmungen hat Ralf Feund es dann schließlich gewagt. „Aber ohne das Überbrückungsgeld hätte mir die finanzielle Absicherung für die Startphase.“
Die Beurteilung der Marktsituation und der Wettbewerbsposition wird beim Steuerberater mit Hilfe von demoskopischen Analysen und Branchenberichten verifiziert. Zur Informationsgewinnung können der DATEV-Recherchedienst, Wirtschaftsauskünfte, Berufsverbände, Fachliteratur und das Internet genutzt werden.
Bei der Wahl der Rechtsform und des Standortes spielen die Art der Existenzgründung, das Produkt- und Dienstleistungsangebot, die Markt- und Wettbewerbssituation und die ermittelten Chancen und Risiken eine wichtige Rolle. Eine Existenzgründung kann neben der Neugründung auch aus dem Kauf eines Unternehmens oder dem Zusammenschluss mit einer bereits existierenden Unternehmung bestehen.
Herzstück Businessplan
“Das Herzstück einer erfolgreichen Existenzgründung ist die Planung der ersten drei bis fünf Jahre“, weiß Zill. Sie bildet mit Umsatzplanung, Erfolgsplanung und der Erfolgsrechnung auch den zentralen Bestandteil des Business-Planes. Ausgangspunkt ist eine monatliche der Produkte oder Geschäftsfelder, die erbrachte Lieferungen und Leistungen, den Rechnungsausgang und eventuelle Forderungsausfälle umfasst.
In der wird durch die Gegenüberstellung von Umsatz und Kosten deutlich, wann die Gewinnschwelle erreicht wird. Zeigt sich dabei, dass auf Dauer kein Gewinn erwirtschaftet werden kann, muss die Unternehmenskonzeption grundsätzlich überprüft werden. Das kann im Extremfall die Aufgabe des Vorhabens Existenzgründung nach sich ziehen. Zill: „Fehlende Liquidität ist gerade in der Gründungsphase auch bei ausreichenden Gewinnen ein Überlebensrisiko.“