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Report: Institution für Geldengel


10.01.08
In Deutschland mangelt es an Business Angels. Ohne die Wagnisfinanzierer werden aber viele neue Geschäftsideen nicht umgesetzt – der Innovationsmotor des Exportweltmeisters könnte ins Stottern geraten. Ein Kreis von Experten suchte jetzt im Rahmen der „Sylter Runde“ nach Auswegen aus der drohenden Misere.


Eingeladen hatten die beiden erfahrenen Gründer und Gründungsforscher Professor Norbert Szyperski und Professor Tobias Kollmann. Wie die VDI-Nachrichten in ihren Venture-News berichten gibt es die „Sylter Runden“ bereits seit 2003. Seitdem werden mehrmals jährlich wirtschaftspolitische Problemstellungen diskutiert und Thesen zu deren Lösung formuliert. In der jüngsten „Sylter Runde“ ging es um zwei zentrale Fragen: Wo können neue Business Angels (BA) gefunden und wie können aktive Investoren bei ihrer Arbeit unterstützt werden?

Exzellenz-Initiative für BA-Netzwerke

Nach zwei Tagen intensiver Diskussion hatten sich fünf Antworten bzw. ehrgeizige Ziele herauskristallisiert: Gründung eines bundesweiten BA-Instituts, Start einer Medienkampagne, Forderung nach Steuererleichterungen für BA, Initiierung einer Exzellenz-Initiative für BA-Netzwerke sowie Aufbau einer BA-Community im Internet. Das BA-Institut soll laut Kollmann kontinuierlich Daten über den Status quo des Marktes für informelles Beteiligungskapital sammeln. „Diese könnten dann Basis für politische Entscheidungen – etwa in steuerlicher Hinsicht – sein.“ Nach Ansicht von Szyperski sollte das Institut außerdem für das Thema Business Angels werben. „Sowohl Gründer als auch potenzielle Mentoren müssen besser informiert werden über die Aufgaben und Arbeitsweisen der privaten Wagniskapitalgeber.“ Auf diese Weise könne sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite des Marktes belebt werden. Eine dritte Aufgabe des Instituts solle die Fortbildung sein. „In Workshops könnten junge Angels von erfahrenen Investoren und Steuerexperten in die Details eines Beteiligungsprozesses eingeführt werden“, so Kollmann.

1000 Business Angels für Deutschland

Finanziert werden solle ein solches Institut – eventuell angelehnt an eine Hochschule – über einen Trägerverein oder eine Stiftung. Kollmann: „Vermögende Privatinvestoren könnten den Grundstock legen. Als regelmäßige Einnahmequelle kämen Forschungsaufträge in Frage – etwa von der EU.“ Die Medienkampagne soll die Ziele des Instituts unterstützen. „Auch sie zielt ab auf Awareness“, so Kollmann. „In Kooperationen mit Verlagen und TV-Sendern wollen wir die Aktion '1000 Business Angels für Deutschland' lancieren. Erfolgreiche Investoren sollen in Anzeigen und Spots über ihre bisherigen Beteiligungserfolge berichten.“ Leser bzw. Zuschauer, die dadurch auf den Geschmack kommen, sollen sich bei ausgewählten Netzwerken melden und in direkten Kontakt mit erfahrenen Engeln treten können. Potenzielle Gründungsförderer sollen außerdem direkt angesprochen werden. Szyperski: „Wir wollen uns an verschiedene Organisationen und Institutionen wenden, über die vermögende Unternehmer erreichbar sind.“

Steuererleichterungen für Investments

Anlaufstellen seien etwa Wohltätigkeitsclubs wie Rotary oder Lions, Privatbanken, Vermögensberater und -verwalter sowie Gründer, die ihre Firma erfolgreich veräußert haben. Bei den Forderungen nach Steuererleichterungen schloss sich die „Sylter Runde“ den Vorschlägen des Business Angels Netzwerks Deutschland (BAND) an. Dessen Vorsitzender Roland Kirchhof erklärt: „Wir wollen beispielsweise erreichen, dass Veräußerungsgewinne dann nicht versteuert werden, wenn sie innerhalb von drei Jahren wieder in ein Jungunternehmen investiert werden.“ Weiter solle – wie in vielen anderen Staaten üblich – der Verlustabzug ermöglicht werden, wenn das Unternehmen entgegen den Erwartungen erfolglos ist und die Anteile des Business Angels wertlos werden. Für besonders effizient im Hinblick auf die Gewinnung neuer Business Angels hält Kirchhof einen begrenzten Steuerabzug. „Wir wünschen uns, dass Investoren 20% der Mittel, die sie in Jungunternehmen investieren, steuerlich geltend machen können.“

Die geplante Exzellenz-Initiative für BA-Netzwerke soll sich laut Szyperski am Prinzip der Exist-Gründerförderung anlehnen. Dabei werden Hochschul-Organisationen bezuschusst, die Start-ups besonders effektiv unterstützen. „Bezogen auf die BA-Netzwerke würde ein Wettbewerb in Gang gesetzt, von dem am Ende alle Mitglieder und alle Gründer profitieren.“ Als Finanzierer kämen nicht nur Bund und Länder in Frage, sondern auch private Träger, die ein Interesse am BA-Markt haben. Im Rahmen der geplanten Community im Internet soll unter anderem ein „BA-Wiki“ initiiert werden. „Die von Mitgliedern gepflegte Online-Enzyklopädie kann beispielsweise sämtliche für Business Angels maßgeblichen Rechtsvorschriften erklären“, so Kollmann. „So kann jeder Teilnehmer von den Erfahrungen seiner Kollegen profitieren.“ Außerdem könne eine Syndizierungsbörse eingerichtet werden. http://www.sylter-runde.de



InfoKasten

Belebung am Private-Equity-Markt
Die deutschen Beteiligungsgesellschaften beurteilen ihre Erfolgsaussichten im Jahr 2007 überwiegend positiv und erwarten eine weitere Belebung des Private Equity-Geschäfts gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr werden weitaus mehr neue Beteiligungen als Exits erwartet. Die Umwelttechnologie gilt dabei unter den Finanzinvestoren als attraktivste Wachstumsbranche. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse einer Befragung deutscher Private Equity-Gesellschaften durch die internationale Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner.
Im Rahmen der Untersuchung im Frühjahr 2007 wurden 303 Beteiligungsgesellschaften mit Schwerpunkt Mittelstand in Deutschland zu ihren Zukunftserwartungen und Investitionsschwerpunkten befragt. Über ein Drittel der Gesellschaften (107) nahmen an der Studie teil.
„Wir erwarten für das Jahr 2007 weit über 1000 Transaktionen, an denen Private Equity-Unternehmen beteiligt sind. Die Beteiligungsgesellschaften nehmen damit eine zentrale Position bei der Unternehmensfinanzierung in Deutschland ein. Insbesondere der Mittelstand profitiert von der zunehmenden Anzahl an Private Equity-Investitionen“, erklärt Wolfgang Kraus, als Geschäftsführender Partner für die Transaktionsberatung von Rödl & Partner verantwortlich.


 

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