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Wir sprachen mit Joachim Heidebrecht, Abteilungsdirektor Volkswirtschaft in der KfW, über Finanzierungsprobleme und wie man sie löst.

1. Herr Heidebrecht, wie wir Ihrer neuen Studie entnehmen, haben die KMU derzeit erhebliche Probleme, bei den Banken überhaupt an Kredite zu kommen, zudem hagelt es Kontokündigungen. Wie kommt es zu dieser wirtschaftlich bedenklichen Entwicklung?

Die Ursachen für die wachsenden Finanzierungsschwierigkeiten von Mittelständlern, und hierunter vor allem von kleinen und jungen Unternehmen, sind vielfältig. Die hohe Wettbewerbsintensität im Finanzsektor hat dazu geführt, dass die Banken und Sparkassen mit extrem niedrigen Margen auskommen mussten. Darüber waren die Mittelständler nicht unglücklich, sondern sie haben den günstigen Bankkredit gerne genommen und einen Großteil ihres Finanzierungsbedarfs über diesen Weg gedeckt. Es bestand kaum ein Anreiz, die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Aber gerade in konjunkturellen Schwächephasen, wie wir sie zur Zeit wieder erleben, wenn die Insolvenzquote steigt und die Banken ihre Wertberichtigungen und Risikovorsorge massiv erhöhen müssen, rechnet sich der Mittelstandskredit für viele Finanzinstitute nicht mehr. Sie müssen entweder die Konditionen erhöhen oder ihre Kreditvergabe einschränken, um eigene Verluste zu vermeiden. Beides verschlechtert die Finanzierungsbedingungen für den Mittelständler. Noch wichtiger als die konjunkturellen Rahmenbedingungen sind jedoch die strukturellen Veränderungen, die zurzeit auf den Finanzmärkten stattfinden: Viele Banken und Sparkassen sind heutzutage dank modernster Informationstechnologie und leistungsfähiger Ratingverfahren in der Lage, ihre Risiken schon bei der Kreditvergabeentscheidung sehr viel exakter als früher zu bestimmen und lehnen deshalb manche Engagements, die sie vor wenigen Jahren noch eingegangen wären, heute unter Kosten- und Risikogesichtspunkten von vornherein ab.

2. Was kann 'der Unternehmer' jetzt tun, um trotzdem erfolgreich zu sein?

Die Unternehmen müssen sich aktiv auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen, denn die Veränderungen auf den Finanzmärkten werden von Dauer sein und sich nicht mit einer wieder anziehenden Konjunktur verflüchtigen. Um ein gutes Rating und damit weiterhin günstige Bankenkredite zu erhalten, müssen viele Mittelständler die Unternehmenssteuerung professionalisieren. Dazu gehört neben einer aussagekräftigen Rechnungslegung, einer zukunftsgerichteten Finanzplanung und einem leistungsfähigen Controlling vor allem auch die strategische Unternehmensplanung. Nichts kann die Zukunftsfähigkeit und damit auch Kreditwürdigkeit eines Unternehmens besser unter Beweis stellen als eine überzeugende Unternehmensstrategie. Und diese Informationen muss man der Hausbank auch überzeugend und aktiv, nicht erst auf die zweite oder dritte Aufforderung hin, vermitteln. Die Kreditinstitute wachsen zunehmend in die Rolle des Finanzierungspartners und Beraters. Insgesamt muss der Unternehmensfinanzierung zukünftig deutlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden als früher. Es gilt, Finanzierungsalternativen vorurteilsfrei zu vergleichen - nicht nur zwischen den Kreditinstituten, sondern auch gegenüber ganz anderen Finanzierungsquellen, wie z.B. Leasing oder Factoring. Für viele Unternehmen wird es vor allem auch darauf ankommen, ihre Eigenkapitalquote, die in fast allen Ratingsystemen ein zentraler Bonitätsindikator ist, zu erhöhen, um weiterhin kreditwürdig zu bleiben.

3. Die Erhöhung der Eigenkapitalquote ist ja ein ernstes Thema. Aber wie soll denn der Unternehmer vor Ort dieses Problem bewältigen, da hat doch keiner eine Gelddruckmaschine im Keller?

Der klassische Weg der Eigenkapitalerhöhung führt über die Einbehaltung von Gewinnen. Das ist aber gerade angesichts der derzeitigen Konjunkturlage für viele Unternehmen ein schwieriger und vor allem sehr langwieriger Weg. Schneller geht es mit externem Eigenkapital. Größere Unternehmen können sich dies über die Börse besorgen. Für kleine und mittlere Unternehmen hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland ein privater Beteiligungskapitalmarkt entwickelt. Dieser bedient zurzeit noch vorwiegend die dynamischen Jungunternehmer in Wachstumsbranchen und die größeren Übernahmetransaktionen, öffnet sich aber zunehmend auch dem breiten Mittelstand. Allerdings gibt es im breiten Mittelstand immer noch erhebliche Vorbehalte gegen Beteiligungskapital. Viele Unternehmer befürchten Eingriffe in ihre unternehmerische Entscheidungsfreiheit oder den Weiterverkauf der abgegebenen Anteile an Dritte. Aber diese Befürchtungen bestehen zu Unrecht. Erstens haben Unternehmer und Beteiligungsgeber ein gleichgerichtetes Interesse an einem starken Unternehmen, so dass der Beteiligungsgeber dem Mittelständler mit seinen Erfahrungen und gutem Rat zur Seite stehen wird. Und zweitens gibt es - sofern erwünscht - Möglichkeiten, die Eingriffs- und Veräußerungsrechte des Beteiligungsgebers zu beschränken. Letzteres ist vor allem bei so genannten mezzaninen Beteiligungsinstrumenten der Fall, wie z.B. bei stillen Beteiligungen, Genussscheinen und Nachrangdarlehen.

4. Nun geht inzwischen auch die KfW dazu über, Förderkredite mit bonitätsabhängigen Konditionen anzubieten. Ist dies für die Unternehmen nicht eine zusätzliche Erschwernis?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir reagieren mit den bonitätsabhängigen Förderkreditkonditionen auf die veränderten Rahmenbedingungen auf den Finanzmärkten, um die Förderung gerade für die weniger bonitätsstarken Unternehmen noch wirkungsvoller zu machen. Denn in dem Maße, in dem die Kreditinstitute dank fortschrittlicher Ratingsysteme ihr Risiko bei jedem Einzelkredit exakt abschätzen können, werden sie auch unsere Förderkredite nur noch an diejenigen Mittelständler durchleiten, bei denen ihre Bearbeitungs-, Eigenkapital- und Risikokosten voll gedeckt werden. Würden wir bei bonitätsunabhängigen Einheitskonditionen bleiben, würden die Banken Förderkredite bald nur noch an Unternehmen mit niedrigem Risiko durchleiten und den anderen einen Förderkredit versagen. Durch die risikodifferenzierten Förderkonditionen erreichen wir, dass die Banken Förderkredite weiterhin an das gesamte Spektrum der kreditwürdigen Kunden durchleiten. Davon profitieren alle: Die Unternehmen mit sehr guter Bonität erhalten günstigere Konditionen. Die Unternehmen mit weniger guter Bonität werden nicht vom Zugang zum Förderkredit ausgeschlossen, müssen dafür aber einen ihrer Bonität entsprechenden Risikoaufschlag bezahlen.

5. Alle Initiative hilft leider wenig darüber hinweg, dass die Pleiten- und die Finanzierungssituation mehr als angespannt ist. Was können Sie tun, um bei den notwendigen Finanzierungen zu unterstützen?

Die KfW versucht, sowohl die strukturellen als auch die konjunkturellen Probleme anzugehen. Wir entwickeln unser Förderinstrumentarium zukunftsgerecht weiter. Mit Instrumenten wie Globaldarlehen und Verbriefungen erhöhen wir die Attraktivität von Mittelstandskrediten für Unternehmen und Durchleitungsbanken gleichermaßen. Wir arbeiten gemeinsam mit Banken und Sparkassen an Modellen, mit denen die Kreditbearbeitungskosten, die vor allem die Kreditvergabe an kleine und junge Unternehmen behindert, substanziell reduziert werden können. Und mit der bereits beschlossenen Verschmelzung der DtA auf die KfW werden wir auch das Spektrum der Förderinstrumente optimieren und transparenter gestalten und dabei einen besonderen Fokus auf Programme zur Förderung von mezzaninem und Eigenkapital legen. Mit den kürzlich aufgelegten Programmen zur Wohnraummodernisierung und zur Infrastrukturförderung wollen wir vor allem die inländische Nachfrage bei mittelständischen Unternehmen stimulieren, um die derzeitige konjunkturelle Schwächephase möglichst schnell zu überwinden.
 

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