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Finanzen: Liquidität


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Dossier: Finanzmanagement und Factoring


Diese Aussage klingt widersprüchlich und doch beschreibt sie eine Situation, wie sie viele, gerade junge Unternehmen, erleben. Die Phasen Leistungserbringung, Rechnungsstellung, Zahlungsein- und ausgänge, sind in ihrer zeitlichen Abfolge oft nur schwer zu erfassen, wenn sie nicht systematisch geplant und überwacht werden. Kommen jetzt noch Forderungsausfälle oder unvorgesehene Verpflichtungen hinzu, ist der Teufelskreis perfekt.

So erging es auch dem jungen Dienstleister Werner Peters. Gerade im zweiten Jahr der Selbständigkeit traf es ihn. Die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) zeigte zur Jahresmitte bereits einen Vorsteuergewinn von 55.000 Euro. Was war die Ursache, dass er dennoch seine fälligen Zahlungen nicht mehr pünktlich leisten konnte?

Die positive Geschäftsentwicklung und Umsatzsteigerung führte zu einem Ansteigen des Forderungsbestands. Ein Teil der Kunden nutze das nachlässige Mahnwesen des Dienstleisters aus und überschritt das vereinbarte Zahlungsziel von 30 Tagen erheblich. So manche Zahlung ging erst nach fünf bis acht Wochen und nach intensiver Mahnung ein. Zusammen mit der Kapitalbindung aus Fremdleistungseinsatz, ausgabewirksamen Gemeinkosten und Privatentnahmen ergibt sich ein notwendiger Betriebsmittelbedarf von 110.000 Euro, um das Umsatzvolumen von 800.000 Euro zu händeln.

Die gute Ergebnisentwicklung hat mittlerweile auch das Finanzamt auf den Plan gerufen. Unser Unternehmer muss nun vierteljährlich Vorauszahlungen auf Gewerbe- und Einkommensteuer zahlen. Die erhoffte Unterstützung der Hausbank ist leider ausgeblieben und das Kontokorrentlimit von 50.000 Euro wurde mangels weiterer Sicherheiten nicht erhöht. Im vorliegenden Fall gab es trotzdem eine Lösung: Factoring - Das Unternehmen verkauft nun seine Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine Factoringgesellschaft. Diese hat zuvor die Bonität der Kunden geprüft, versendet die Rechnungen, versichert die Forderungen und kümmert sich um den termingerechten Geldeingang. Unser Dienstleister bekommt den Gegenwert sofort seinem Konto gutgeschrieben und verbessert dadurch nachhaltig seine eigene Liquidität und Zahlungsfähigkeit. Selbstverständlich zahlt er an den Factor Zinsen und Gebühren für die Dienstleistung. Diese rechnen sich aber allemal.

Um brenzliche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen, ist es für jedes Unternehmen und ganz besonders für die jungen, zwingend notwendig, ein vorausschauendes Liquiditätsmanagement zu betreiben. Was heißt das in der Praxis? Auf der Basis ihrer Unternehmensplanung müssen sie alle zahlungswirksamen Vorgänge erfassen und zeitlich zuordnen. Zunächst in Monatsperioden für das laufende Geschäftsjahr, um den groben Überblick zu erhalten. Dann aber in der kurzfristigen Liquiditätsvorschau im Wochenrythmus.

Es wird nun abgeschätzt, welche Zahlungen (aus Umsätzen, Einlagen, Darlehensaufnahmen) wann dem Unternehmen zufließen (Einzahlungen). Dabei sind für die Umsätze die eingeräumten Zahlungsziele und das Zahlungverhalten der Kunden zu berücksichtigen. Im nächsten Schritt ist festzulegen, wann welche Zahlungen (für Wareneinkauf, Fremdleistungen, Personalkosten, Betriebskosten, Investitionen, Zinsen, Steuern, Tilgungen, Entnahmen) das Unternehmen verlassen werden (Auszahlungen). Der Saldo jeder Periode zeigt das relevante Liquiditätsergebnis als Mittelüberschuß oder Mittelbedarf. In der Fortschreibung ergibt sich unter Berücksichtigung der Barbestände und des Kontokorrentlimits der verfügbare Zahlungsspielraum. Auch ein Überschreiten des Limits und damit eine mögliche Zahlungsunfähigkeit wird somit rechtzeitig angezeigt.

Zu beachten ist, dass alle Zahlungen einer Planungsperiode auf einen Zeitpunkt verdichtet werden. Somit können Auszahlungen am Monatsanfang und Einzahlungen am Monatsende zwar einen positiven Saldo ergeben, führen aber innerhalb des Zeitraum durchaus zur finanziellen Anspannung. Deshalb ist die kurzfristige wöchentliche Betrachtung so wertvoll und hilfreich. Sie entzerrt und macht genauere Dispositionen möglich.

Das Ergebnis der Planung muß nun in konkrete Maßnahmen und Handlungen umgesetzt werden, damit die Zahlungsfähigkeit zu jedem Zeitpunkt gewährleistet bleibt. Wichtigster Punkt ist, den Gegenwert für Lieferungen und Leistungen schnellsten zu vereinnahmen. Dazu ist der zeitnahe Versand der Rechnungen und ein konsequentes Mahnwesen am Wichtigsten. Häufig sind Kunden auch bereit, gegen Einräumung von Skonto fällige Zahlungen im Lastschrifteinzugsverfahrungen zu regulieren oder in Einzelfällen können sie für größere Aufträge An- und Vorauszahlungen erreichen.

Bevor es eng wird, sollten sie auch mit ihrer Hausbank sprechen und unter Vorlage einer Liquiditätsplanung um deren Unterstützung mit einer Überbrückungsreserve nachsuchen. Möglicherweise lassen sich auch Tilgungsvereinbarungen neu regeln und dadurch die Tilgungsbelastungen strecken. Im Rahmen einer guten Geschäftsverbindung werden sich ihre Lieferanten auch schon mal auf eine befristete Verlängerung der Zahlungsziele einlassen. Als Händler müssen sie die Umlaufgeschwindigkeit ihrer Vorräte ständig im Blick haben. Eine Reduzierung des Warenlagers, ohne Beeinträchtigung der Service- und Lieferbereitschaft, macht Mittel flüssig.

Seltener werden sie als junges Unternehmen nicht betriebsnotwendige Vermögensgegenstände verkaufen können um dadurch ihre Liquidität zu verbessern. Auch der Verkauf von Anlagevermögen und dessen anschließende Anmietung (Sale and Lease back) wird nicht häufig vorkommen. Allerdings bietet Leasing bei der Neuanschaffung von Maschinen sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung eine liquiditätsschonende Alternative.

Als eine der wichtigsten und deshalb nicht nur ergänzende Maßnahme ist die Zuführung von Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Mitteln. In der jüngsten Zeit machen immer mehr junge Unternehmer die positive Erfahrung, dass bei Vorliegen eines erfolgsträchtigen Geschäftskonzepts und eines plausiblen Businessplans Verwandte, Freunde, Bekannte und Kunden Bereitschaft zeigen, sich zu beteiligen und zu investieren. Infos:

Christine Deibert, Geschäftsführerin der DEIBERT & PARTNER GmbH, München
 

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