Während landauf und landab Gründunsfinanzierung immer schwieriger wird, schaffen es trotzdem immer wieder Unternehmertypen, alle Hürden der Banken zu nehmen. franchising-network.de befragte die Unternehmensberaterin Christine Deibert aus München und zeigt, wie es geht. .
Die Zahl der Existenzgründungen ist kontinuierlich am Sinken. Schuld daran sind nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in unserem Lande, sondern auch das restriktive Verhalten der Kreditinstitute, die immer weniger bereit sind, das Fremdkapital für einen Unternehmensstart bereitzustellen. Darüber darf auch nicht hinwegtäuschen, dass unser Staat neue Unternehmen durchaus wünscht und fördert und hierzu eine Vielzahl von Programmen und Krediten zur Unterstützung bereithält.
Hürde Hausbank
So schön und hilfreich diese Förderangebote auch immer sind, ohne ein Kreditinstitut geht es nicht. Hausbankprinzip nennt sich das im Fachjargon und ist notwendig, da die Förderinstitute von Bund und Ländern über keine eigene Infrastruktur zur Endkundenberatung verfügen und als Refinanzierungsinstitute nicht mit den Sparkassen und Banken in Wettbewerb treten wollen und können.
Wie ist diese Hürde Hausbank denn nun zu nehmen und wo finden sich noch Geldhäuser, die sich mit jungen Entrepreneuren auseinandersetzen? Grundsätzlich sollte auf jeden Fall das Institut angefragt werden, mit dem man schon als Privatperson seine Geldgeschäfte getätigt hat, bei dem man bekannt ist und möglicherweise aufgrund positiver Vergangenheitserfahrungen eine Vertrauensbasis besteht. Weitere Ansprechpartner sind Institute, die am zukünftigen Unternehmensstandort präsent sind. Dabei sind die Marketingaktivitäten der Geldinstitute kein absoluter Maßstab für deren Bereitschaft zur Gründungsfinanzierung.
Erster Eindruck
Das Gespräch mit der Bank muss unbedingt professionell vorbereitet und mit ebenso hoher Qualität geführt werden. Denn dieser erste Besuch bei der Bank hinterlässt einen unauslöschlichen Eindruck vom zukünftigen Unternehmer und seinem Vorhaben, der in nahezu keinem Punkt später zu korrigieren oder zu verbessern ist. Das heißt natürlich nicht, dass man sich bis zur Unkenntlichkeit verbiegen muss. Im Gegenteil, ein authentisches Auftreten mit unternehmerischen Aspekten schafft Vertrauen und überzeugt. Unabdingbar ist natürlich ein schlüssiges Unternehmenskonzept, ein Investitionsplan und eine eigene Darstellung der Finanzierung und ihrer Bestandteile und natürlich eine Portion Eigenkapital und Sicherheiten für die Fremdmittel.
Ohne einen angemessenen Anteil (15 % der förderfähigen Investitionen) von Eigenkapital, das durchaus aus dem Kreise der Familie, von Verwandten oder Freunden kommen kann, geht heute in aller Regel gar nichts mehr. Warnen müssen wir allerdings davor, bei der Finanzspritze von Family and Friends zu kurze Rückzahlungsfristen zu vereinbaren. Nur das Geld, das langfristig (mindestens 8 bis 10 Jahre) zur Verfügung steht, ist quasi Eigenkapital. Dann kann von der Mittelstandsbank (bisher DtA) das Förderprogramm Eigenkapitalhilfe eingeplant werden. Es stockt das Eigenkapital um bis zu 25 % auf, so dass dann bereits 40 % der förderfähigen Investitionen finanziert werden können. Die weiteren 60 % Finanzierungsmittel lassen sich dann über DtA-, ERP- sowie Landesprogramme (z. Bsp. LfA-Mittelstandskreditprogramm in Bayern) und Hausbankdarlehen darstellen. Eine weitere Stärkung der Eigenkapitalbasis ist auch mit Kleinbeteiligungen möglich. In Bayern zum Beispiel, übernimmt dies in erfolgversprechenden Fällen die BayBG und verdoppelt den Betrag von Eigenkapital und Eigenkapitalhilfe bis zu einem Höchstbetrag von 125.000 €uro.(Siehe auch Bayern Special Seite 29.)
Alles Sicherheiten
Alle anderen Darlehen stellen Fremdkapital dar und sind bankmäßig zu besichern. Dies gilt insbesondere für die Teile, die nicht haftungsfrei gestellt sind. Die Banken und Sparkassen akzeptieren als Sicherheiten Grundschulden, Verpfändung von Barguthaben, Wertpapieren, Lebensversicherungen in Höhe der Rückkaufswerte und werthaltige Bürgschaften von dritten Personen. Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Warenvorräte und Forderungen werden nur in wenigen Ausnahmefällen angenommen. Aber auch wer gar keine eigenen Sicherheiten aufbieten kann ist noch nicht verloren, denn die Förderinstitute bieten auch Möglichkeiten sogenannter Ausfallbürgschaften. Für alle öffentlichen Förderprogramm gilt aber eine ganz wichtige Regel: >>Erst mit der Bank sprechen und einen (formlosen) Antrag stellen, dann erst dürfen längerfristig bindende Verpflichtungen eingegangen werden,<
Einen ganz wichtigen Aspekt sollte jeder Gründer beachten. Vor den Bankgesprächen unbedingt die Eintragungen bei der Schufa (Schutzgemeinschat für allgemeine Kreditsicherung) abfragen und auf Inhalt und Richtigkeit überprüfen und gegebenenfalls berichtigen lassen. Diese Eigenauskunft ist über das Internet zu bestellen (www.schufa.de).
Strategie und Kompetenz
Der kluge Existenzgründer wird im Unternehmenskonzept seine Kernkompetenz darstellen und seine Strategie an seinem Expertenwissen ausrichten. Gleichermaßen tut er aber auch gut daran, sich in Finanzierungsfragen an Experten zu wenden und sich im Vorfeld professionellen Rat und Unterstützung zu holen. Wenngleich das Internet und die Medien, sowie Handwerks- und Handelskammern, Verbände und Institutionen über das Thema Gründungsfinanzierung umfassend informieren, so ist es doch wichtig, einen individuellen 'Maßanzug' zu schneidern. Ein Profi, der dem Gründer hier zur Seite steht, wird ihn auch auf die Bankgespräche vorbereiten und ihn begleiten. So trainiert und gestärkt steigt die Chance, eine Bank als Finanzierungspartner zu gewinn, beträchtlich.
Wehe, wenn die Luft ausgeht
Ein auf Existenzgründungen spezialisierter Unternehmensberater wird auch dafür sorgen, dass häufig anzutreffende Finanzierungsmängel vermieden werden. 'Selbstgestrickte' Gründungsfinanzierungen zeigen nach unseren langjährigen Erfahrungen sehr oft Schwächen im Finanzierungsmix und im Finanzierunsvolumen. Wenige Entscheidungen haben so drastische Auswirkungen wie Finanzierungen, bei denen dem jungen Unternehmen schon nach kurzer Zeit die Luft ausgeht, weil Investitionen lückenhaft und zu niedrig geplant sind und der Bedarf an Betriebsmitteln zur Vorfinanzierung von Kosten und Forderungen unterschätzt wird. Sicherlich sollen betriebsnotwendige Anschaffungen in angemessener Größenordnung, kostenoptimiert und möglichst emotionsfrei (ohne Habenwollen-Syndrom) definiert werden, aber eine Planung darf nicht solange reduziert werden, bis es endlich zu finanzieren ist.
Also, auch in schwierigen Zeiten nicht entmutigen lassen. Denn mit einer pfiffigen Idee mit hohem Kundennutzen, einem ausgereiften Konzept, eventuell auch mit einem erfolgreichen Franchisepartner, einer durchdachten Planung und einer professionellen Vorbereitung findet sich ganz bestimmt der richtige Finanzierungpartner.
Autor: Christine Deibert, Unternehmensberaterin, Sparkassenbetriebswirtin, Geschäftsführerin der DEIBERT & PARTNER GmbH, München