Dienstag, 18. September 2007
Das Interesse von Frauen an einer Existenzgründung nimmt weiter zu – und das gegen den allgemeinen Trend: 1.000 mehr Frauen als im Vorjahr erkundigten sich 2006 bei den Industrie- und Handelskammern zur Gründung eines Unternehmens. Dies entspricht einem Plus von knapp einem Prozent. Insgesamt gab es drei Prozent weniger Gespräche mit Gründungsinteressierten.
Trotz strengerer Gründungsförderung: Immer mehr Frauen gehen an den Start
Insgesamt erhielten 144.000 Frauen bei ihrer IHK Informationen zur Existenzgründung. Damit verzeichneten die IHKs einen Rekord seit der erstmaligen Erhebung der IHK-Zahlen zur Existenzgründung im Jahr 2002. Seitdem ist die Anzahl der Frauen bei IHK-Gesprächen zur Unternehmensgründung um 26 Prozent angestiegen. Damit sehen die IHKs Befürchtungen nicht bestätigt, die Abschaffung der Ich-AG und die Verschärfung der Gründungsförderung für Arbeitslose könnten zu einem nachlassenden Gründungsinteresse bei Frauen führen.
Hauptmotiv: Unabhängigkeit
Der ungebrochene Trend zur Unternehmensgründung bei Frauen ist vor allem auf ein gewandeltes Selbstverständnis zurückzuführen: Immer mehr Frauen berichten den IHKs, dass sie mit der Unternehmensgründung eine größere finanzielle Unabhängigkeit anstreben und ihr Einkommen mit eigenen Ideen selbstständig erwirtschaften wollen. Staatliche Zuschüsse sind zwar nach wie vor ein wichtiges Gründungsmotiv, verlieren jedoch etwas an Bedeutung.
Beliebteste Gründungsbranche: Dienstleistungen
85 Prozent setzen auf eine Existenzgründung in Handel, Gastronomie, Medien und sonstigen Dienstleistungen – Branchen, in denen vergleichsweise wenig Startkapital erforderlich ist. Beispiele: Cafés, Kosmetikstudios, Übersetzerbüros, Fitnessstudios.
Große Hürde: Geld für den Start
Zwar beträgt der Anteil der Frauen, die sich von den IHKs zur Existenzgründung beraten lassen, mittlerweile fast 40 Prozent. Nach IHK-Erfahrungen sind jedoch manche Gründungshürden für Frauen immer noch höher als für Männer. So gaben bei einer IHK-Umfrage unter 2.500 Gründerinnen 58 Prozent an, dass aus ihrer Erfahrung die Kreditaufnahme für Frauen schwerer sei. Hauptgrund: Viele Frauen, die zunächst das Unternehmen "Familie" führen, können nicht in gleichem Umfang wie Männer Gründungskapital ansparen, Geschäftskontakte knüpfen und sich kaufmännisches Know-how aneignen. Dies erschwert ihre Position als Verhandlungspartner bei der Bank.
Reformfeld für die Politik – Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Gerade das rohstoffarme Deutschland braucht möglichst viele Menschen, die gute Ideen unternehmerisch umsetzen. Hierfür werben die IHKs intensiv im Rahmen ihrer Jahreskampagne 2007 „Chance Unternehmen – gründen, wachsen, sichern“. Dringend notwendig sind bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kinderbetreuungszeiten etwa, die schon am frühen Nachmittag enden, werden heutzutage kaum einer Form der Erwerbstätigkeit gerecht – erst recht nicht einer unternehmerischen Selbstständigkeit.
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