13.08.07
Das politische Gezerre um die künftige Förderung von Wagnisfinanzierern schlägt den Business Angels aufs Gemüt. Gehofft hatten die „himmlischen Geldgeber“ auf eine echte Anerkennung ihrer volkswirtschaftlich wichtigen Aufgabe. Bekommen sollen sie nach aktuellem Stand aber fast nichts. Das derzeit diskutierte „Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen (MoRaKG)“ bringt ihnen kaum Entlastung. „Die angekündigte Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne von 9060 Euro auf 20.000 Euro würde nur dann voll zum Tragen kommen, wenn der Engel 100% der Unternehmensanteile besitzt“, erklärt Roland Kirchhof, Vorstand vom Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND). „Das gibt es in der Praxis aber nicht. Dementsprechend kommen die Engel auch immer nur in den Genuss von winzigen Bruchstücken des Freibetrags.“
Mittelbar bedeute das MoRaKG laut Kirchhof sogar eine Schlechterstellung der vermeintlich geförderten Zielgruppe. „De facto sinkt die Wahrscheinlichkeit, künftig wirklich etwas zu erreichen.“ Anfragen an die Politik könnten künftig damit beantwortet werden, dass doch erst jüngst eine Verbesserung auf den Weg gebracht worden sei.
Angesichts dieser Perspektiven bewerteten die 24 Teilnehmer des Business Angels Panels ihre Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuletzt. Auf einer Skala von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut) reichte es lediglich für 5 Punkte. Im Vorquartal lag der Wert noch bei 5,63 Punkten. Einen ähnlich dramatischen Absturz hat es in den mittlerweile 22 Erhebungsrunden der Umfrage erst einmal gegeben. Das Panel ist eine quartalsweise Umfrage unter Business Angels in Deutschland. Organisiert wird sie von den VDI nachrichten, der RWTH Aachen, dem Business Angels Netzwerk Deutschland und der WHU in Vallendar.
Ein echtes Novum in der Panel-Historie ist, dass die Geschäftsaussichten schlechter bewertet wurden als die aktuelle Geschäftslage – hier hatten die Panelteilnehmer immerhin wieder durchschnittlich 5,38 Punkte vergeben. Diese Entwicklung ist bedrohlich. Denn: Wenn die von Berufs wegen eigentlich optimistischen Business Angels verschnupft sind, droht dem Gründermarkt in Deutschland die Grippe.
Noch ist dieses Szenario nur eine dunkle Wolke am Horizont. Im jüngsten Untersuchungszeitraum des Panels, dem zweiten Quartal des laufenden Jahres, war das Klima für Gründer und Business Angels noch heiter. Weitere Ergebnisse der Umfrage:
Nur jeder dritte Engel ging eine neue Beteiligung ein. Deutlich angestiegen ist die dabei durchschnittlich investierte Summe. Sie kletterte von rund 42.000 Euro auf gut 63.000 Euro. Geschuldet ist dies nicht zuletzt einem einzelnen Engel, der stolze 280.000 Euro investierte und damit das Gesamtbild etwas verzerrt. Grund zur Freude auf Gründerseiten besteht also nicht wirklich – zumal die investierte Summe im Vorjahresquartal noch bei 93.000 Euro, im Jahr davor gar bei 125.000 Euro gelegen hatte.
Die Entwicklung auf der Exitseite war erneut weitgehend erfreulich: Von insgesamt sieben aufgelösten Beteiligungen mündete nur eine in einer Liquidation. Drei Anteilspakete wurden an einen strategischen Investor verkauft („Trade Sales“), ein Engel fuhr die Ernte seiner Arbeit an der Börse ein.
Unverändert geblieben ist Engels Liebling: die Umwelttechnologie. Wie schon im Vorquartal halten die meisten Panelteilnehmer die Branche aktuell für attraktiv. Bewegung gab es unterdessen auf den Rängen. Die einst gefeierten und dann mangels marktfähiger Produkte abgestraften Neuen Materialien erleben eine Renaissance. Neun Monate waren sie aus den Top 5 verschwunden. Nun sind sie auf Anhieb wieder die Zweitplatzierten. Mit Platz drei begnügen muss sich die Medizintechnik. Nach zweieinhalb Jahren gehört sie erstmals nicht mehr zum Spitzenduo.
Die Ergebnisse vorheriger Befragungsrunden und weitere Hintergrundinfos zum Business Angels Panel stehen im Internet. (vdi-newsletter)
www.ba-panel.de
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