24.04.06
Es gibt schlechtere Businesspläne als den von Thorsten Gillert, ein „Mutmacher der Nation“. Nach seiner Zeit als Küchenchef auf der MS Deutschland will er sein eigenes Restaurant „Artisan“ aufmachen: klein und fein, mit 30 Plätzen. Das kostet 100.000 €, wie er mit seinem Steuerberater errechnet hat. 25.000 € hat er gespart, genau so viel will er von Freunden leihen. Da sollten doch 50.000 € von der Bank drin sein? „Das Kreditgespräch ging schneller als ein Kilo Kartoffeln schälen“, sagt Gillert, „die beurteilten mich als hundertprozentige Misserfolgschance.“
Deprimiert spielt er mit dem Gedanken,doch wieder als angestellter Koch zu arbeiten.Dann wendet sich das Blatt. Denn seine Freunde haben Vertrauen in seinen Plan – und sind von seinem Finanzierungskonzept
begeistert. „Ich bekam einen fein verschnürten
und versiegelten Karton zugeschickt“, erinnert sich Artisan-Förderer Christoph Riemer. „Darin lagen ein eigenhändig geschriebener Brief für mich, ein toll zu
lesender Geschäftsplan und drei Symbole
für das Artisan: eine bestickte Leinenserviette
für die liebevolle Küche, ein Paar Ebenholz-Essstäbchen für guten Geschmack ohne Grenzen
und ein Glas selbstgemachter Konfitüre als Qualitätsversprechen.“
Last but not least überzeugt Gillerts Päckchen durch den beiliegenden Kreditvertrag. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre bei sieben Prozent Zinsen (fünf Prozent
werden jährlich ausgezahlt und zwei „abgespeist“).
Da kennt das Freunde-Syndikat kein Halten, 21 private Kreditgeber steigen mit 1.000 bis 10.000 € ein. Eine Bank wird nicht mehr gebraucht. Heute wird das schöne und schlichte Artisan als gastronomische Perle
der Hansestadt gefeiert. Thorsten Gillert
beschäftigt vier Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte
und bildet erstmals auch aus. www.artisan-hamburg.com
www.mutmacher-der-nation.de
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