15.02.06 - Die Herausgeber der österreichischen Webside choices.li halten die Idee eines Business-Plan-Wettbewerbes für absurd. Hört sich verlockend an. Zudem findet im Rahmen des Wettbewerbes ein umfassendes Seminarangebot statt; die teilnehmenden Jungunternehmer sind über einen längeren Zeitraum in das Projekt „eingebunden“, nehmen an zahlreichen Veranstaltungen teil und haben häufig Gelegenheit, ihre Geschäftsidee zu präsentieren.
Doch die Idee eines „Businessplan“-Wettbewerbs ist näher betrachtet absurd. Die Qualität eines „Businessplans“ per se mag eine relevante Kategorie für Gestalter, Texter und Reporter sein, für einen Unternehmer gibt es bloß ein Maß für die Qualität der Business-Planung: der unternehmerische Erfolg oder Misserfolg. Die Geschäftsidee mag noch so „innovativ“ klingen, noch so gut „recherchiert“ sein, und noch so gut „gestaltet“, letztlich geht es bei unternehmerischer Planung um die korrekte Antizipierung der zukünftigen Präferenzen von Konsumenten. Daten, quantitative Abschätzungen und Gestaltungen sind allenfalls Hilfsmittel. Mit Excel lassen sich aus Hausnummern „Berechnungen“ beliebiger Tiefe und Seitenlänge erschaffen, mit der geeigneten Grafiksoftware suggestives Beiwerk. Wenn sich die „Kostenrechnung“ im „Businessplan“ als genau erweist, dann nur, weil der Unternehmer in seinen Prämissen korrekt antizipiert hat (nicht in den Zahlen per se).
Die große Gefahr solcher Wettbewerbe ist, ein grundlegend falsches Unternehmerbild von Anfang an zu vermitteln. Dann findet sich der Neo-Unternehmer plötzlich in einer Situation, in der er die unmittelbar nach der Gründung neben dem bürokratischen Aufwand gerade noch freien 30-50% seiner Arbeitskraft über Powerpoint-Folien verschwendet, um die „Innovativität“ seiner Idee zu „verkaufen“. Der Hauptpreis schließlich klingt für einen wahren Unternehmer nach einer gefährlichen Drohung: eine „Entrepreneurship“-Ausbildung! Genau so werden keine Unternehmen gegründet, sondern „Betriebsführer“ geschaffen.
Wer sich dieser Punkte bewusst ist, der mag durchaus Hilfreiches im Angebot von i2b finden, keine Frage. Doch ist es gerade in diesen Breiten zunehmend Mode, als „Jungunternehmer“ die Hälfte der Zeit mit Bürokratie und die andere Hälfte damit zu verbringen, nach Vergünstigungen, „Förderungen“, „Weiterbildungen“ und „Jungunternehmertagen“ Ausschau zu halten – wo da Zeit für das Unternehmen bleiben soll, ist unklar. www.biz-awards.de
|