Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen werden an Nachfolger außerhalb der Familie übergeben. Aber von wegen 'gemachtes Nest': Wie die Neugründung erfordert auch die Übernahme eines Unternehmens viel Know-how und Sorgfalt.
Nicht jeder Existenzgründer muss ganz von vorne anfangen. In einen bereits existierenden Betrieb als Nachfolger auf den Chefsessel zu rücken, ist eine Alternative. „Vieles in dem Betrieb wurde neu strukturiert“, beschreibt Jochem Kirschbaum die Situation zu jener Zeit, als er Nachfolger wurde. 2004 übernahm der 44-Jährige zwei Berliner Unternehmen: DORO und Berolina-Plastic. Die beiden Betriebe sind seit 40 Jahren am Markt und gelten als führende Hersteller und Händler von Kunststoffverpackungen. In enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Inhaber Frank D. Hagemann setzte Kirschbaum sich schon früh für einen steten Aufbau des Unternehmens ein.
Und als der Eigentümer 2004 aus Altersgründen über die Zukunft der Unternehmen nachdenken musste, war Kirschbaum schnell als passender Nachfolger gefunden. „Das Problem zu diesem Zeitpunkt war, dass ich kaum die finanziellen Mittel für eine Übernahme hatte. Ich konnte zum Beispiel bei Lieferanten nicht in Vorleistung treten“, so Kirschbaum.
Um Kredite zu erhalten, erstellte er einen umfangreichen Businessplan. Damit konnte er die Volksbank und die Bürgschaftsbank Berlin-Brandenburg überzeugen. Die Bürgschaftsbank übernahm eine Bürgschaft für einen Kredit gegenüber der Hausbank. Mit deren Hilfe erhielt er die fehlenden Eigenmittel – und endlich die erhoffte Sicherheit. Kirschbaum: „Zu beiden Banken habe ich immer noch ein hervorragendes Verhältnis.“
Die Nachfolgeregelung brennt vielen Kleinunternehmern unter den Nägeln. Ist es dafür an der Zeit, so wird die Übergabe der Geschäftsführung bei fast der Hälfte der kleinen Unternehmen familieninternen geregelt. Für einen reibungslosen Übergang leiten fast Dreiviertel der Betroffenen die rechtlichen Schritte zur Kompetenzübertragung frühzeitig ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Microsoft Deutschland GmbH beim Marktforschungsinstitut TechConsult in Auftrag gegebene Marktstudie, die kleine Unternehmen in Deutschland zu wirtschaftlicher Lage und Investitionsbereitschaft befragt.
Die Zukunft eines jahrelang aufgebauten Kleinunternehmens hängt sehr stark von einer erfolgreichen Nachfolgeregelung ab. Aktuell spielt diese Frage für 30 Prozent der befragten Betriebe eine Rolle. Für 70 Prozent ist dies derzeit noch kein Thema, weil beispielsweise der Geschäftsführer noch zu jung ist, um bereits die Nachfolge zu planen oder weil es aus anderen Gründen in den kommenden Jahren keine Veränderung in der Unternehmensführung geben wird. Das Eintreten eines Notfalls wurde in den Fragen nicht berücksichtigt.
Nachfolger kommt häufig aus der eigenen Familie
Von den 30 Prozent der Unternehmer, die sich heute mit der Unternehmensnachfolge befassen, haben 71 Prozent vorsorglich die für eine Übergabe erforderlichen, rechtlichen Schritte eingeleitet. Dabei ziehen viele Kleinunternehmer für ihre Nachfolge ein geeignetes Familienmitglied in Betracht: 46 Prozent gaben an, dass das Unternehmen im Familienbesitz bleiben wird - der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dafür wurde frühzeitig familienintern ein entsprechender Nachfolger auserkoren und langfristig in das Unternehmen eingearbeitet, nach und nach werden die einzelnen Verantwortungsbereiche übertragen. In 17 Prozent der Unternehmen wird jemand außerhalb der Familie das Unternehmen weiterführen. 27 Prozent der Firmen haben die Nachfolge noch nicht geregelt. Hier ist noch unklar, wie die Weitergabe des Unternehmens erfolgen soll. Nur 12 Prozent der Unternehmer nehmen für die Suche eines geeigneten Nachfolgers die Hilfe eines externen Unternehmensberaters in Anspruch.
Wirtschaftlich-politische Rahmenbedingungen sind problematisch
Der Weg zu einer abgeschlossenen Unternehmensübergabe ist oft steinig: Das Hauptprobleme bei der Nachfolge ist für fast jeden zweiten Unternehmer das Einhalten der wirtschaftlich-politischen Rahmenbedingungen wie Steuerfragen oder Finanzierungsformen. Weil die Nachfolge bei einer familieninternen Übergabe oft reibungsloser und einfacher abläuft, bevorzugen viele Unternehmen diese Regelung. 27 Prozent der Unternehmer befürchten aber, dass innerhalb der Familie kein Interesse an einer Nachfolge besteht. Die Beurteilung des Übernahmeangebots sowie unterschiedliche Auffassungen zum Unternehmenswert sehen 25 Prozent als mögliches Hindernis bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Weitere zehn Prozent halten ihre eigene starke emotionale Bindung an das Unternehmen für problematisch.
Hier helfen Nils Koerber und Rüdiger Ehlers aus Bremen: Ihr Unternehmen K.E.R.N. und Partner sucht und findet geeignete Nachfolger.
„Nachfolge ist ein sehr sensibles Thema. Viele Unternehmer können es nicht ertragen, wenn ihr Lebenswerk geschlossen wird. Sie möchten möglichst keine Fremden als Nachfolger“, erklärt Nils Koerber. Zudem machen sich viele der K.E.R.N-Kunden Sorgen um den neuen Lebensabschnitt, den Ruhestand. „Man denkt auch über die Endlichkeit des Lebens nach.“
Deshalb arbeitet K.E.R.N nicht vom Schreibtisch aus. „Wir suchen engen Kontakt, sprechen viel vor Ort mit unseren Kunden“, so Koerber. Denn nicht nur die fachliche Qualifizierung der potenziellen Nachfolger muss passen. „Wenn die Chemie zwischen Unternehmer und Nachfolger nicht stimmt, raten wir ab.
“Koerber und Ehlers suchen und bewerten mögliche Kandidaten als Außenstehende – und nicht „mit der Brille des Firmengründers“. Oftmals nämlich schätzen Eltern die Fähigkeiten und Kenntnisse ihrer Kinder oder externen Nachfolger falsch ein. „Jeder Fall ist anders und muss individuell geprüft werden“
Die Partner Koerber und Ehlers haben selbst jahrelang in Familienunternehmen gearbeitet. Hier erlebten sie die Probleme der Nachfolge am eigenen Leib. Aus der Arbeitslosigkeit gründeten sie ihre eigene Firma. „Traditionsreiche Familienunternehmen dürfen nicht untergehen, nur weil sich im eigenen Umfeld kein geeigneter Nachfolger findet“, sind beide überzeugt. Die Problematik der Unternehmensnachfolge betrifft in den nächsten 10 Jahren fast 75% aller inhabergeführten Unternehmen in Deutschland.
Jeder Unternehmer sollte frühzeitig bedenken, dass für eine dauerhaft erfolgreiche Unternehmensübergabe zwei Voraussetzungen wichtig sind:
· Erstens: Der Betrieb muss wirtschaftlich rentabel und wettbewerbsfähig bleiben. Um seine Existenz langfristig zu sichern, sind auch im Hinblick auf die bevorstehende Übergabe kontinuierliche Investitionen notwendig.
· Zweitens: Ob die Übertragung von Todes wegen, erst mit dem Versterben des bisherigen Inhabers innerhalb oder außerhalb der Familie erfolgen soll: eine richtige testamentarische bzw. erbvertragliche Ausgestaltung ist in jedem Fall notwendig, um existenzgefährdende Zerstückelungen zu vermeiden. Ebenso ist es notwendig im Falle der Übertragung unter Lebenden einen vernünftigen Übergabevertrag zu machen, d.h. frühzeitig an mögliche Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsansprüche so genannter weichender Erben zu denken.
Strategie und Geschick bei der Nachfolge zahlte sich auch für den Berliner Jochen Kirschbaum aus: Die Produktion konnte ausgebaut werden und der Umsatz stieg. Im nordrhein-westfälischen Neuss entstand ein weiteres Verkaufsbüro. 21 Mitarbeiter sind mittlerweile in den beiden Betrieben beschäftigt. Doch am liebsten ist Kirschbaum „draußen beim Kunden.“ Er sieht auch heute noch seine Aufgabe darin, Großabnehmer von seinen Verpackungsmöglichkeiten zu überzeugen. „Viele Auftraggeber planen für die Verpackung ihres Produktes nur 5 Prozent der Gesamtkosten ein. Da muss man sich zusammen so manche Überlegungen machen.“ Kirschbaum ist an seinem Standort guten Mutes und sieht sich auch in 10 Jahren immer noch am Standort Berlin-Reinickendorf. Deshalb bewarb sich der Unternehmer bei dem Wettbewerb „Mutmacher der Nation“ um eine Auszeichnung für seinen erfolgreichen Weg.
Initiative nexxt
Finanzierungsprobleme bewältigen
Die Eigenkapitalschwäche der Nachfolger gilt als häufigste Ursache für Finanzierungsprobleme. Da der Vermögenshintergrund der Nachfolger nur selten Spielräume zur Eigenkapitalstärkung bietet, wäre zu erwarten, dass sich Übernehmer externe Eigenkapitalquellen erschließen. Überraschender Weise wird jedoch bei 74 Prozent der Übernahmen kein Beteiligungskapital in Anspruch genommen.
Eine bessere Eigenkapitalquote erhöht hingegen die Krisenfestigkeit und verbessert die Aussicht auf ein gutes Bankenrating. Angesichts des dringenden Eigenkapitalbedarfs bei Wachstum und Übernahme hat sich die württembergische L-Bank entschlossen, die bestehenden Marktlücken mit zielgerichteten Finanzierungsinstrumenten zu schließen. Der L-EA Garantiefonds hat die Aufgabe, durch Risikopartnerschaft zusätzliches Beteiligungs-kapital von Beteiligungsgesellschaften, aber auch von Privatpersonen zu mobilisieren. Mit dem L-EA Mittelstandsfonds stellt die L-Bank selbst Beteiligungskapital bereit. Beide Instrumente flankieren die Bemühungen des Mittelstandes zum Aufbau einer soliden Eigenkapitalbasis. Denn eigenes Kapital verbessert die Standfestigkeit, hat positiven Einfluss auf das Rating, erleichtert damit den Zugang zu Krediten und verbessert auch die Kreditkonditionen. www.l-bank.de |
„nexxt“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der KfW sowie Vertretern von Verbänden, Institutionen und Organisationen der Wirtschaft, des Kreditwesens und der Freien Berufe. Ziel der „nexxt“-Partner ist es, ein günstiges Klima für den unternehmerischen Generationswechsel in Deutschland zu schaffen.
Unter der gemeinsamen Dachmarke 'nexxt' wurde eine Aktionsplattform errichtet, die das Thema der Unternehmensnachfolge und der Existenzgründung umfassend präsentiert. Das Internetportal 'nexxt' ist der zentrale Treffpunkt für alle Unternehmerinnen und Unternehmer, die Betriebe übergeben oder übernehmen wollen.
Beratungen können durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle finanziell bezuschusst werden. www.nexxt-change.org
www.nachfolge.newcome.de