Spätestens seit der CeBIT weiß man, dass Telefonieren via Internet bequem und vor allem preiswert zu realisieren ist. Voice over IP ist das Zauberwort, über 60 Anbieter buhlen bereits um Kunden. Eine interessant Innovation, besonders für schlanke und moderne Strukturen junger Unternehmen.
In Zeiten des DSL ist es kein Problem mehr, digitale Daten, also auch Sprache, übers Web zu schicken. Verbindungen zwischen zwei Teilnehmern mit dem selben Anbieter sind kostenlos, Gespräche ins Festnetz meist schon für 1 Cent pro Minute zu haben. Voraussetzung sind ein Internet-Zugang per Computer mit einem Head-Set, das einfach hinten am PC eingestöpselt wird. Eine Software zum wählen kann sich jeder problemlos bei den Anbietern im Internet downloaden. Mit einer kleinen Anlagen-Box für 99 Euro kann der Kunde aber auch direkt vom Telefon aus mit eigener Nummer ins Netz wählen. Einziger Wermutstropfen ist der gegenwärtige Tarifdschungel, ähnlich dem sonstigen Wirrwarr.
Ende 2004 habe es zwischen 400.000 und 800.000 Privatkunden gegeben, die VoIP nutzten, weiß Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, Lehrstuhl für Planung & Organisation mit Fokus Telekommunikation Universität Essen-Duisburg. Aus Endkundensicht sollte es egal sein, ob ein Telefonieprodukt mit Voice over IP realisiert wird. Wer nicht gerade Pfennigsfuchser ist und sich nicht auf interne Netztelefonie konzentriert, ist mit offenen CallByCall-Angeboten der klassischen Telefonanbieter zur Zeit noch besser bedient. Gerpott erläutert, dass VoIP sich über weitere Vorteile etablieren muss, der Anwender müsse sich aber überlegen, ob ein potenzieller Zusatznutzen eines VoIP-Angebotes für ihn brauchbar ist.
Im Unternehmensbereich sei VPN ein erfolgreiches Geschäftsmodell, so Gerpott. 'Funktionale Vorteile treiben die Verbreitung von VoIP, weniger die Kostenvorteile.' Beispielsweise können neue Endgeräte und auch neue Standort leichter angebunden werden. Typische Ansatzstellen für die neue Technologie sind Neubauten, Standortverlagerungen und Umzüge, organisatorische Umstrukturierung oder veränderte Kundenschnittstellen.
Zu VoIP-Produkten im Privatkundensegment warnt jedoch Jochen Nölle, Geschäftsführer VoIP-Info.de: 'VoIP-Endgeräte sind kompliziert zu konfigurieren. Die Probleme potenzieren sich bei Installationen hinter NAT-Firewall Routern, beispielsweise an einem DSL-Anschluss.' Demnach seien VoIP-Endgeräte heutzutage mangels Standards für den Massenmarkt noch ungeeignet. Wie bei vielen Dingen, geht probieren über studieren, zumal die Investitionen minimal sind, der Nutzen aber interessante Dimensionen erreichen kann.