
Um junge Unternehmen vor Irrwegen zu bewahren, gibt es in vielen Bundesländern Coaching-Programme. In NRW wurde ein Meerbuscher Ex-Banker für seine Hilfe zum «Senior Coach des Jahres» 2003 gekürt.
Ulrich Fink will nicht in seinem Garten sitzen und Radieschen züchten. Nicht, dass er seinen Garten nicht mag. Nach einer erfolgreichen Laufbahn bei der WestLB will der Mann aus Meerbusch bei Düsseldorf einfach noch nicht in den Ruhestand gehen. «Ich werde jetzt 62 Jahre alt und da ist es ganz schön, wenn man geistig beansprucht wird.» Fink hält sich mit der Betreuung von jungen Unternehmen geistig fit, die er im Auftrag des MentorenNetzes Westfalen bei allen wirtschaftlichen Aufgaben unterstützt. Hier kann er als so genannter «Senior Coach» seine Erfahrungen einbringen, die er in den Führungsetagen der WestLB gesammelt hat.
Das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium ehrte Ulrich Fink in Essen für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Titel «Senior Coach des Jahres». Die Auszeichnung wurde zum ersten Mal
vergeben. Fink selber bezeichnet sich lieber als Mentor: «Das klingt einfach besser als dieses neu-deutsche 'Senior Coach'.» Insgesamt 80 Vorschläge für diese Auszeichnung hatten 13 Verbände eingereicht, in denen die Berater organisiert sind.
In NRW gibt es rund 350 ehemalige Führungskräfte wie Ulrich Fink, die gut 1000 aufstrebende kleinere Unternehmen dabei beraten, wie sie sich auf dem freien Markt behaupten können. 'Mit Ihrer Arbeit leisten Sie der Wirtschaft in NRW einen großen Dienst', würdigte Wirtschafts- und Arbeitsminister Harald Schartau das ehrenamtliche Engagement der Senior Coaches. 'Als ehemalige Unternehmer, als Fach- und Führungskräfte im Unruhestand geben Sie Ihr Fach- und Erfahrungswissen an Gründer und junge Unternehmer weiter.' Das Coaching reicht vom Erstellen des Businessplans über Bankengespräche, Marketing- und Vertriebslösungen bis zu Fragen rund um die Sicherung und das Wachstum von Unternehmen. Das Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass durch das Senior Coaching Tausende von Arbeitsplätzen in NRW gesichert werden.
Eine der beratenen Firmen ist «nanoAnalytics». Das Dienstleistungsunternehmen mit vier Mitarbeitern aus Münster bietet seit drei Jahren Oberflächen-Untersuchungen im Millionstel-Millimeter-Bereich an. Unter anderem hat «nanoAnalytics» an einer Schmutz abweisenden Keramikbeschichtung mitgearbeitet.
Der Physiker Dr. Boris Anczykowski von «nanoAnalytics» kennt sich auf diesem Gebiet bestens aus. Bei wirtschaftlichen Fragen wenden er und sein Partner sich aber vertrauensvoll an Mentor Fink, der ihr Unternehmen alle drei bis vier Wochen besucht. «Manchmal brennt es auch und dann kann man Herrn Fink jederzeit anrufen», sagt Anczykowski. Bei so einem «Brandfall» kann es sich zum Beispiel um einen anstehenden Vertragsabschluss handeln.
Seit gut drei Jahren betreut Fink «nanoAnalytics» und manövriert das junge Unternehmen durch die Tücken der freien Wirtschaft. Inzwischen sei ein sehr freundschaftliches Verhältnis entstanden, sagen sowohl der Mentor als auch seine Schutzbefohlenen. Dazu gehört, dass Fink die beiden Wissenschaftler des Unternehmens auch immer wieder motivieren muss, die Welt nicht nur durch hoch komplizierte Mikroskope zu betrachten: «Die Bereitschaft mal herauszugehen und sich hier im Labor nicht zu vergraben, ist manchmal doch recht klein», kritisiert Fink Anczykowski auf väterliche Weise.